Ab sofort gilt ein neues Baulandmodell: Nur 40 Prozent der Fläche frei verkäuflich

Bodenspekulation: Der Markt Hirschaid tritt auf die Bremse

22.12.2022
Wenn aus landwirtschaftlich genutzten Flächen Bauland wird, schießt der Grundstückspreis in die Höhe. Hirschaid will jetzt Auswüchse in der Bodenspekulation verhindern.
Foto: Martin Sommer/ pixabay
von Werner Baier

Hirschaid. Die Marktgemeinde will die Grundstückspekulation im Umgang mit Bauland zurückdrängen. Bei zwei Gegenstimmen aus der CSU-Fraktion wurde daher in der Dezember-Sitzung ein weitreichendes neues Baulandmodell beschlossen.

Die Marktgemeinde verfolgt bei der Ausweisung künftigen Baulandes das Ziel, dass sich 100 Prozent der benötigten Grundstücksflächen im Eigentum der Gemeinde befinden, bevor es mit der Planung losgeht. Dies entspricht den Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände.

Ein Zwischenschritt

Ganz so weit wagte man sich bei der Neuordnung dann allerdings noch nicht vor: Seitens des Arbeitskreises Bauland/Liegenschaften wurde unter der Leitung von Gemeinderat Dieter Wende das “Modell 40/60” erarbeitet. Heißt: Mindestens 60 Prozent der zur Beplanung anstehenden Fläche sollen durch Ankäufe in das Gemeindeeigentum wechseln. Dieses Modell soll für künftige Wohn-/Misch- und “Urbane Gebiete” gelten: Diese mindestens 60 Prozent gehen zum doppelten Bodenrichtwert Bauerwartungsland (= 25 Prozent des amtlichen Bodenrichtwertes) an den Markt Hirschaid über. Die verbleibenden Privatflächen werden mit einem Baugebot von sieben Jahren belegt.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung haben die Einwender zwischenzeitlich die Antwortbriefe des Arbeitskreises Bauland/Liegenschaften auf ihre Eingaben erhalten. Es scheint, als hätten sich die Wogen einigermaßen geglättet. Zur Beratung des Themas in der Sitzung des Marktgemeinderates waren jedenfalls weniger Zuhörer als bei vorherigen Erörterungen anwesend. 

Windpark bei Rothensand?

Für eine Stellungnahme zur Fortschreibung des Regionalplans Erneuerbare Energie ließ sich der Marktgemeinderat vom Dipl.-Wirtschaftsingenieur Hubert Treml-Franz von der Energieagentur Nordbayern beraten. Der Fachmann aus Nürnberg war bei der Begutachtung des Gemeindegebietes zu der Erkenntnis gelangt, dass sich nur ein Standort für die Errichtung neuer Windräder lohnt: Ein Areal in der Nähe des ehemaligen Munitionsdepots Rothensand. Dort lasse die Windhäufigkeit einen rentablen Betrieb erwarten und zudem könnten mehrere Rotoren zu einem Windpark formiert werden. Am Mainberg zwischen Pettstadt und Erlach könnte aus Platzgründen, mit Rücksichtnahme auf das Wasserschutzgebiet und mit Blick auf die geforderte Abstandsweite von mindestens einem Kilometer nur ein Windrad betrieben werden. Das allerdings wird als nicht sinnvoll erachtet; angestrebt werden drei in einem engen Bereich.

Verhandlungen mit Nachbarn

Am Ende beschloss der Marktgemeinderat, dass im Gemeindegebiet grundsätzlich Vorrangflächen für die Gewinnung von erneuerbaren Energien aus Windkraft ausgewiesen werden. Bürgermeister Klaus Homann wurde beauftrag, mit der Gemeinde Hallerndorf und der Stadt Höchstadt Gespräche zu führen. Ziel ist, dass im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit ein gemeinsamer Windpark bei Rothensand errichtet wird und dort die Vorrangflächen ausgewiesen werden. Die weitere Beschlussfassung obliegt dem Marktgemeinderat.

Keine Heimkino-Veranstaltung

Schließlich fasste der Markgemeinderat einen Beschluss zur Ergänzung seiner Geschäftsordnung: Wie seit Beginn der Corona-Pandemie soll es weiterhin möglich sein, dass Gemeinderät*innnen als Video-Partner an Sitzungen teilnehmen, mitberaten und beschließen können. Damit am Ende aber nicht der Bürgermeister mit seinen Referenten allein im Sitzungssaal ist, wurde festgelegt, dass maximal zwölf Ratsmitglieder bei Vollsitzungen und höchstens sechs bei Ausschusssitzungen per Videoschaltung zugelassen werden.

 

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